Immunkonditionierung

Klassische Konditionierung von immunologischen Funktionen als Teil der gelernten Placebo-Antwort im Immunsystem

Funktionen des peripheren Immunsystems lassen sich, wie andere physiologische Reaktionen auch, durch klassische Konditionierung modifizieren. Um die Mechanismen und potentielle klinische Verwertbarkeit dieser gelernten Immunantwort zu analysieren, haben wir ein Modell etabliert, in welchem wir immunsuppressive Medikamente und Substanzen wie Calcineurin-Inhibitoren (Cyclosporin A, Tacrolimus), mTOR-Antagonisten (Rapamycin, Everolimus) oder den Sphingosin-1P-Receptor-Antagonisten Fingolimod (FTY) als unkonditionierte Stimuli und einen Geschmacksreiz als konditionierten Stimulus einsetzen.

Tierexperimentelle Forschungsarbeiten

Die bisherigen tierexperimentellen Arbeiten dokumentieren eine konditionierte Suppression der T-Zellproliferation und der Zytokinproduktion auf mRNA- und Proteinebene, welche zentralnervös über den Inselcortex und die Amygdala sowie auf dem efferenten Arm über den Milznerv, Noradrenalin und β-Adrenozeptor-abhängige Mechanismen gesteuert wird. Die potentielle klinische Relevanz dieser gelernten Immunsuppression zeigt sich in einer verzögerten Abstoßungsreaktion nach Organtransplantationen sowie einer Unterdrückung von allergischen Reaktionen und Symptomen chronisch entzündlicher Erkrankungen durch den Lernprozess. Mit diesem etablierten Modell untersuchen wir in aktuellen Forschungsprojekten die Informationsvermittlung zwischen dem peripheren Immunsystem und dem Gehirn. Dabei interessieren wir uns insbesondere für die Mechanismen, über die das Gehirn hinsichtlich Veränderungen im peripheren Immunsystem informiert wird und für die Frage, welche Neurotransmittersysteme und/oder Zytokine den assoziativen Lernvorgang im zentralen Nervensystem modulieren. Zudem werden Prozesse der Extinktion, des “renewal” und der Rekonsolidierung (memory up-dating) der gelernten Immunsuppression mit Hilfe von chemogenetischen Interventionen (DREADDs) analysiert.

Humanexperimentelle Forschungsarbeiten

Unsere humanexperimentellen Arbeiten dokumentieren, dass die gelernte Immunsuppression auch beim Menschen funktioniert. In den aktuellen Forschungsprojekten wird die genaue Rolle von kognitiven Faktoren und gelernten Placebo-Effekten auf die Reaktion des peripheren Immunsystems sowohl bei gesunden Probanden als auch bei nierentransplantierten Patienten analysiert. Hier untersuchen wir, ob und inwieweit eine gelernte Immunantwort wiederholt abrufbar ist, wie lange sie andauert und ob sich durch eine Kombination zwischen gelernter Immunantwort und reduzierter pharmakologischer Intervention die therapeutischen Effekte maximieren und die unerwünschten Nebenwirkungen der pharmakologischen Intervention minimieren lassen. Mit diesen experimentellen Arbeiten zur gelernten Placebo-Antwort im Immunsystem soll eine Basis für den systematischen Einsatz von Konditionierungsprotokollen in klinischen Behandlungsansätzen geschaffen werden.

Verantwortliche Leiter/Ansprechpartner

Martin Hadamitzky, Manfred Schedlowski

Förderung

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

SFB 1280, “Extinction Learning”, TP A18

TRR-SFB 289, “Treatment Expectation”, TP A10, A12, Z02

Über uns

Das Institut für Medizinische Psychologie wurde 1978 gegründet und gehört zu den vorklinischen Abteilungen des Universitätsklinikums Essen. Seit Oktober 1997 steht es unter der Leitung von Prof. Dr. Manfred Schedlowski.

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